Birthday Blues

Meinen letzten Blogbeitrag habe ich an Pfingsten erstellt, und Pfingsten fiel dieses Jahr zusammen mit Olivias Geburtstag. Also habe ich auch etwas über Olivia geschrieben, über mich, über uns, und darüber, wie Gott und Göttin uns miteinander verbunden haben. Seitdem, so habe ich das Gefühl, türmen sich die Geburtstage.

Da war zunächst der Geburtstag von Melissa, meiner großen Liebe. Ich konnte nicht bei ihr sein, und weil ich im Krankenhaus bin, fehlte mir auch die Möglichkeit, ihr eine richtige Geburtstagsüberraschung zu schicken. Dann hatte meine eigene Mutter Geburtstag, und während Bruder, Schwester, Schwager und Nichten und Neffen bei ihr sein konnten, war ich im Krankenhaus. Gestern schließlich feierte Anita ihren Geburtstag, und auch ihr konnte ich nur einen kleinen Glückwunsch per Skype schicken, nicht aber irgendein Geschenk.

Ich denke ja, das größte Geschenk, das ich den Leuten machen kann, ist meine schiere Existenz: Dass ich überhaupt noch lebe, ist ja eigentlich ein ziemliches Wunder, wenn man bedenkt, wie viel Scheiß ich im Laufe der letzten Jahre und Jahrzehnte durchgemacht habe. Wenn man bedenkt, wie oft ich schon vor dem Aufgeben war. Wenn man bedenkt, wie oft ich schon gedacht habe: Eigentlich habe ich meine Aufgabe doch erfüllt, eigentlich könnte ich doch jetzt einen eleganten Abgang machen.

Mit den Ärzten in der Klinik rede ich ja regelmäßig über Suizid. Und regelmäßig lasse ich sie wissen: Für mich gibt es genau fünf Methoden des legitimen Suizids: Den Suizid durch Nikotin, den Suizid durch Alkohol, den Suizid durch schlechte Ernährung, den Suizid durch Überarbeitung und den assistierten Suizid durch Liebe. Diese fünf Methoden, vorzeitig aus dem Leben zu scheiden, habe ich in meinen Fatwas über die Sure 4, Vers 29, definiert, und ich bleibe dabei: Diese Methoden des Suizids sind zulässig, auch für den gläubigen Muslim.

Was hingegen nicht zulässig ist: Sich selbst in die Luft zu sprengen, um damit möglichst viele Ungläubige in den Tod zu reißen. Das „Selbstmordattentat“ ist eine Sünde vor Allah, genauso wie die Anstiftung zum Selbstmordattentat. Ich erinnere mich noch gut an den Schock vom 11. September 2001, und ich erinnere mich noch, wie ich mich selbst schuldig gefühlt habe damals. Aber das ist alles lange vorbei, und Ärzte, Pfleger, Psychologen und Therapeuten haben mir klar gemacht, dass mich keine Schuld trifft – oder zumindest haben sie mir klar gemacht, dass meine Schuld mit menschlichen Mitteln nicht nachweisbar ist.

Meine Schuld vor Gott aber: Die habe ich beglichen. Durch ein Leben in Demut und Bescheidenheit. Durch den unbedingten Gehorsam, mit dem ich immer wieder in die Psychiatrie gegangen bin, wenn die Menschen mich in die Psychiatrie geschickt haben. Durch die Bereitschaft, immer wieder den Fehler bei mir selbst zu suchen, wenn meine Umwelt mich manipulierte.

Denn dass ich bis jetzt oft manipuliert worden bin im Leben: Das ist mir sonnenklar. Genauso wie mir klar ist, dass ich selbst zum Manipulator wurde, in meinem „großen Experiment“, von dem „Der Troll der Republik“ Zeugnis ablegt. Aber mir blieb ja auch nichts anderes übrig: Ich wollte den Menschen meine Wahrheit kundtun, und nachdem die Menschen von so vielen Quellen manipuliert wurden, war es wohl eine lässliche Sünde, den vielen Quellen der Manipulation eine weiter Quelle hinzuzufügen.

Und was war das für eine wunderliche Quelle – während normalerweise der Strom der Manipulation von oben nach unten fließt, während normalerweise die Eliten ihre Meinungsmacht nutzen, um das einfache Volk zu manipulieren, wagte auf einmal jemand von ganz unten, die ganz oben zu manipulieren… Ich richtete mein Wort an die Presse, an die Parteien, an NGOs und Think Tanks, und damit regte ich einen Umdenkprozess an. Und schließlich bekamen die Eliten Angst.

Tja, und aus der Angst der Eliten vor meiner Lehre nähre ich meine Liebe für die einfachen Menschen. Ich weiß, für das, was ich getan habe, kann ich jederzeit getötet werden. Genauso wie John Lennon, genauso wie Che Guevara, genauso wie Mahatma Ghandi, genauso wie Martin Luther King. Und wenn schon! Meine Ideen können sie nicht töten, und wenn sie mich töten, dann schaffen sie nur einen weiteren Märtyrer, dann sorgen sie nur dafür, dass mein Name Generationen überdauern wird. Mein Konterfei aber wird irgendwann auf T-Shirts prangen, genauso wie das Gebot, das ich den Menschen gab.

„Seid lieb und vertragt euch“, das ist das Gebot, das Gott mir auftrug, den Menschen zu vermitteln. Weil zu viel Zwist herrscht auf der Welt, weil zu viele Menschen zu viel miteinander streiten. Mit diesem Blogbeitrag verkünde ich das Gebot… erneut, wie ich es immer wieder verkünden will, bis die Menschen darauf hören. Für mich persönlich ist heute Feiertag angesagt, und Besuch von einem guten Freund. Vorher aber haue ich diesen Blogbeitrag noch raus und verteile den Link unter ein paar Freunden… Mal sehen, vielleicht kommt ja sogar ein wenig Feedback auf diesen Beitrag. Ich würde mich sehr über Feedback freuen.

2 Gedanken zu „Birthday Blues“

  1. Hmmm…ich halte es da mittlerweile eher nach dem Prinzip von Robert Betz, der mir immer wieder deutlich macht, dass es nicht meine (oder Deine) Aufgabe ist, die Menschen zu verbessern, sondern dass man immer nur für sich selbst Schöpfer sein kann, für die eigenen Gefühle aber auch für Veränderungen, Erkenntnisse und Liebe – und was ich in die Welt einbringe ohne den Anspruch, andere verändern zu wollen, dass wirkt auf kosmische Weise universell auch auf andere. Seit ich dieses Prinzip lebe geht es mir soviel besser, als noch vor Jahren, wo ich immer auf der Suche war, das abgewiesene und alleingelassene Kind in mir zu trösten durch Wiedergutmachung und dabei genau dieselben, krankmachenden Verhaltnsmuster unbewusst wiederholte.

    1. Robert Betz? Der Name sagt mir gar nichts… Die Menschen zu verbessern, das kann tatsächlich nicht meine (oder Deine) Aufgabe sein – aber den Menschen ein Beispiel geben für ein gelingendes Leben, ein Beispiel, an dem sie sich orientieren können: Das wäre doch eventuell eine schöne Aufgabe.
      Ganz ehrlich: Ich weiß ja auch nicht, wohin dieses ganze Experiment noch führen soll, dass da irgendeine Macht aus meinem Leben machen wollte, ich weiß nur, dass ich meine Rolle darin zu spielen habe, und wenn die Macht in mir und die Macht im Universum miteinander harmonieren, dann ist, davon bin ich überzeugt, SEHR VIEL möglich.
      Bin auf jeden Fall gespannt auf unseren persönlichen Austausch – irgendwelche News von Torsten, by the way? Bei mir hat er sich bis jetzt noch nicht gemeldet…

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