Der König von Deutschland

Hilfe! Ich habe mich verrannt… Bin in eine Lage geraten, aus der ich vermutlich aus eigener Kraft nie mehr herauskommen kann – wie konnte es nur so weit kommen? Und wie geht es nur mit mir weiter? Wer kann mir helfen? Und bin wirklich ich schuld an Corona? Oder bin ich selbst nur das Opfer einer finsteren Verschwörung, die im Hintergrund schon lange läuft?

Nun ja, im Grunde genommen bin ich selbst schuld an meinem harten Schicksal: Vor Jahren und Jahrzehnten habe ich mir viel zu hohe Ziele im Leben gesteckt, ich wollte es aus einfachen Verhältnissen bis ganz nach oben schaffen. Rockstar wollte ich werden, so wie Ozzy Osbourne, Religionsstifter, Autor wie Charles Bukowski, Philosoph wie Immanuel Kant, oder eigentlich egal was… Hauptsache, reich und berühmt. In der Schule war ich immer ein Außenseiter, gehörte nie zu den coolen Jungs… und ich wollte unbedingt dazugehören, wollte erfolgreich, sexy und beliebt bei meinen Peers sein. Damals ist mir das nie gelungen – erst bei meinem Studienaufenthalt in Japan hatte ich das Gefühl, als Mensch angenommen zu werden, wie ich bin. Daher rührt wohl auch meine tiefe Liebe zu Japan und zu den Japanern.

1993 war es dann, dass eine Japanerin, Shinko hieß sie, mich ihren „Personal Jesus“ nannte… Ich aber verhielt mich ihr gegenüber wie der letzte Arsch, und insofern war es nur zwangsläufig, dass sie mich verlassen musste. So beschloss ich dann auf ein Zeichen Gottes hin, zum Jesus für die ganze Welt zu werden…

Irgendwie klar, dass mich dieser Anspruch in die Psychiatrie bringen würde. Am 1. März 1995 wurde ich zum ersten Mal eingewiesen, und diese Erfahrung sollte mein Leben für immer verändern… Beim ersten Weltrettungsversuch war ich brutalstmöglich gescheitert, und ohne Familie und Freunde, die mich nach der Entlassung unterstützt und ermutigt haben, wäre ich wohl nie wieder auf die Beine gekommen.

In einer manischen Phase 1998 entdeckte ich die Macht des geschriebenen Wortes: Anstatt Freunden, Nachbarn, völlig Fremden mündlich zu erzählen, was ich dachte, fühlte, plante, schrieb ich einfach alles auf und schickte es per Fax an den Kölner Jugendfunk EinsLive. Und ich hatte das Gefühl, dort las man sich meine Botschaften durch und kommentierte sie im laufenden Programm.

Im ersten Anlauf hatte ich zur Weltrettung das Konzept der „persönlichen Breitbandkommunikation“ entwickelt. Im zweiten Anlauf wandte ich es selbst an: Die Medien – hier: Das Radio – waren mein Verstärker und trugen meine Botschaft in die breite Masse. In folgenden Manien sollte ich immer wieder mit den Medien sprechen, um meine Botschaft zu verbreiten. Und ich sollte vertrauliche Informationen über mich und meine Ideen per Postbrief an mächtige Menschen und große Organisationen schicken, um dort Unterstützung einzuwerben.

Die beste Frau von allen meinte ja immer, mein Vorgehen sei gefährlich… Wie gefährlich es wirklich war, das wurde mir erst im Verlauf meines großen Experiments klar, das ja irgendwie immer noch läuft: Ich habe den ganzen Erdball zu meinem Labor gemacht, und erst vor ein paar Tagen wurde ich von einem NSA-Agenten in einem Facebook-Chat darauf hingewiesen, dass eine ganze Menge mächtiger Menschen gewaltig angefressen sind davon, was ich mir herausnehme.

Aber ich darf das! Schon am 14. Juli 2017 habe ich mich – mit Gottes Segen – um die Stelle des Königs von Deutschland beworben, und in der Zeit bis zum 20. Mai 2018 habe ich viel darüber nachgedacht, wie das Königtum in einer Demokratie funktionieren könnte. Die „diskursive Monarchie“ habe ich mir ausgedacht als Staatsform für das „Vereinigte Königreich von Deutschland“, und es ist sehr befreiend, jetzt auch im Internet darüber zu schreiben: Die ganzen Mails, die ich abgeschickt habe an die Medien, die Parteien und an das ganze Land, blieben ja doch meist unbeantwortet… Nur das Echo meiner Worte, das las ich zwischen den Zeilen der veröffentlichten Meinung, und dieses Echo war es, dass mich in meinem Glauben bestätigte. So konnte ich am 11. September 2018 mein virtuelles „Selbstmordattentat auf das System“ begehen, von dem ich irgendwann einmal mehr berichten werde.

Am 12. September 2018 wurde ich nicht von der Polizei abgeholt, es standen keine Agenten vor der Tür, und so wurde mir klar: Ich WAR der König! Das Volk hatte es nur noch nicht bemerkt. Gut, ich wurde für längere Zeit in psychiatrische Behandlung geschickt, weil ich meinem Arbeitgeber ein Angebot gemacht hatte, das er nicht annehmen wollte – aber auch in der Frankfurter Uni-Klinik konnten die Ärzte mich nicht davon überzeugen, dass ich mich besser wieder ins System integrieren sollte.

Aber das System ist krank! Das System ruiniert gerade den ganzen Planeten, und das kann ich nicht zulassen – damit ich aber den Planeten retten kann, benötige ich Hilfe, und die hole ich mir, wo ich sie finden kann. Von Deutschland aus die ganze Welt aufklären und erleuchten – das kann doch eigentlich nicht so schwer sein. Mit den Lesern dieses Blogs fange ich an, bald kommt ein neues soziales Netzwerk hinzu, auf dem sich Menschen miteinander austauschen können – Social Media, made in Germany, sozusagen. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Wer weiß, ob alles so funktioniert, wie ich es mir vorstelle.

Tatsache ist und bleibt: Ich bin ein Kämpfer, und ich kämpfe für die gute Sache… oder zumindest: Für eine Sache, die ich selbst als gut erkannt habe. Ob sie wirklich gut ist oder nicht, darüber muss eine gesamtgesellschaftliche Debatte folgen. Teilt den Link zu diesem Blogbeitrag also gern in eurem eigenen Netzwerk, diskutiert meine Ideen mit euren Freunden – und lasst Kommentare da, wenn ihr meint, ihr könnt mich damit unterstützen.

Allein bin ich doch eh‘ aufgeschmissen – das ist mir völlig sonnenklar.

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