Die Methode

Das Leben stinkt! Spätestens seit 2015, aber eigentlich schon viel länger, läuft ein gigantisches Experiment, in dem ich eine wesentliche Rolle spiele: Ich bin die Laborratte des Herrn, und ich irre durch ein Labyrinth… wo andere ein normales, mehr oder weniger glückliches, selbstbestimmtes Leben führen können, bin ich dazu ausersehen, von Signalen gesteuert zu werden, die ich aus dem Internet und aus meiner physischen Umwelt empfange. Eigentlich mag ich dieses Leben gar nicht mehr… aber es ist vermutlich das einzige Leben, das ich habe: Deshalb muss ich das Beste daraus machen.

Eigentlich war mein Leben ja schon am 1. März 1995 offiziell vorbei: An diesem Tag, es war ein Aschermittwoch, wurde ich zum ersten Mal in die Psychiatrie eingewiesen, nachdem ich in den Monaten davor Hilfe bei Freunden, Familie, Kommilitonen und potentiellen Arbeitgebern gesucht hatte – die Welt zu retten, das war damals mein erklärtes Ziel, und eine gute Freundin gab mir damals den guten Rat: „Bevor du die Welt rettest, rette erst einmal dich selbst.“

Und meine Eltern wussten sich keinen anderen Rat, als die Polizei um Hilfe zu bitten, die mich dann erst zum Amtsarzt und anschließend in die Psychiatrie verfrachtete. Die Einlieferung und die Unterbringung auf der geschlossenen Abteilung war traumatisch, und dieses Trauma habe ich anscheinend immer noch nicht voll verarbeitet… deshalb schreibe ich ja auf meinem Blog davon.

In der Psychiatrie wurde mir eine düstere Zukunft ausgemalt: Mein Leben lang würde ich von Sozialleistungen abhängig sein, mein Studium würde ich nie abschließen können, und auch Beruf und Familie würde ich vergessen können. Man sagte mir, mein Leben sei unwiederbringlich zerstört. Erst als ich aus der Psychiatrie entlassen war und wieder bei meinen Eltern einzog, konnte der Heilungsprozess beginnen.

Das ist wohl der Kern der Lehre, die ich aus den vergangenen Jahren gezogen habe: Wenn auf keinen mehr Verlass ist, dann ist auf die Familie immer noch Verlass. Und wenn auf die Familie kein Verlass mehr ist, dann verlass dich einfach auf die Freundlichkeit von Fremden.

Die Reise zu meiner Heilung begann eigentlich mit einer Verzweiflungstat: Weil ich eingesehen hatte, dass ich die Welt nicht allein würde retten können, schrieb ich einen Brief an Thomas D, in dem ich ihn um Hilfe bat – und Thomas verbreitete, das ist meine These, meinen Hilferuf in der Welt. Und erst als ich das Echo auf meinen Hilferuf wahrnahm, wusste ich: Ich hatte eine Chance auf Erfolg.

Meine Methode besteht eigentlich nur aus der Verteilung von Information an potentielle Helfer und aus der Kommunikation meiner Ideen. Anfangs nur per Brief und nur an ausgesuchte Stellen, später dann auch per Mail und in sozialen Netzen, und das Echo auf meine Hilferufe wurde so gewaltig, dass ich schließlich wusste: Meine Methode hatte Erfolg. Und der Erfolg hat mich überrollt, das ist es, was mich 2016, 2017 und 2018 in die Psychiatrie brachte.

2018 riet mir mein Vorgesetzter, ich solle mir einen Coach oder einen Therapeuten suchen – und ich habe mich coachen und therapieren lassen in den Jahren seit 2018, gleichzeitig habe ich die sozialen Medien als meine persönliche Selbsthilfegruppe verwendet… und dieses Blog als mein persönliches Tagebuch.

Jetzt bin ich eigentlich bereit, der Welt meine Methode beizubringen… aber die Welt ist nicht bereit für mich: Die Welt leidet im Moment an Corona, aber ich hoffe, dass diese Phase bald – in ein paar Monaten – überwunden sein wird. In ein paar Monaten würde ich dann gerne als Lehrer in Erscheinung treten, der Menschen dazu motiviert, ihre eigenen Träume zu entwickeln, zu teilen und zu diskutieren, damit aus den Träumen aller eine bessere Zukunft für allen entstehen kann.

Meine Methode ist eine Methode, die Träume wahr werden lässt – das glaube ich wirklich. Mein aktueller Traum ist der Europäische Traum: Jeder kann es schaffen, mit harter Arbeit und mit Disziplin, mit Liebe und mit Fantasie. Und manchmal auch mit Hilfe von ganz oben. Aber keiner schafft’s allein: Wir müssen alle in Teams zusammenarbeiten, um unsere Träume zu verwirklichen, und je größer der Traum ist, umso größer muss auch das Team gebildet werden.

Mein Traum ist verdammt groß: Ich will es schaffen vom Psycho-Wrack zum Lehrer für Millionen. Eine Inspiration für Generationen will ich sein, und mein Problem ist, dass ich im Moment nur im virtuellen Raum inspirieren kann. In der Realität fliehen die Menschen vor mir, oder so kommt es mir zumindest vor.

In der Realität von Fleisch und Blut bekomme ich aber auch Anrufe von lieben Freunden, wenn ich wieder auf Facebook poste, dass ich mich umbringen will. In der virtuellen Realität bekomme ich dann Kommentare, die mich dazu ermutigen, meinen Weg weiter zu gehen. Und das ist ja auch mein erklärtes Ziel: Meinen Weg weiter zu gehen, bis er irgendwann auf natürlichem Weg endet.

Ich weiß, meine Methode ist erfolgreich: Sie hat mich aus den Untiefen der Psychiatrie, in denen in 1995 gefangen war, bis auf einen guten Job in einem guten Unternehmen geführt, und sie hat mich aus dem guten Job über die Psychiatrie in die Startposition geführt, auf der ich mich jetzt befinde: Ich habe eine Business-Idee, und ich weiß, dass diese Idee erfolgreich sein kann.

Leider fehlt mir nur der Geschäftssinn, mit dem sich diese Idee am Markt platzieren ließe, und insofern ist es immer noch möglich, dass ich krass scheitern werde. Aber dieses Risiko muss ich wohl eingehen, mir bleibt ja keine andere Wahl… Wie’s mit mir weitergeht, das weiß im Moment ohnehin nur Gott allein – und der verrät es mir (noch) nicht. Aber wenn ich es tatsächlich schaffen sollte, einen fähigen Manager zu finden, der mir hilft, meine Business-Idee zu einem Business zu machen, dann sehe ich für die Zukunft märchenhafte Profite… Bewerbungen sind aktuell gern gesehen, und der Manager wird prozentual am Gewinn beteiligt. Er muss sich halt nur auf eine Menge Arbeit gefasst machen, um mich erst einmal in eine präsentable Form zu bringen – aber wenn er das schafft, dann schaffen wir gemeinsam sicher auch den ganzen Rest.

3 Gedanken zu „Die Methode“

  1. Ich finde es interessant und auch gut, dass du den Fokus zurzeit auf dich legst. Ich wünsche dir, dass du dein Glück findest – es wird aber voraussichtlich nicht im großen Maßstab zu finden sein, sondern eher im kleinen, intimen… Denn in diesem Maßstab hast du des Öfteren die Welt deiner Mitmenschen bereichert und so auch verbessert. Und dafür musst du auch die Liebe zu dir selbst wiederfinden, lieber Thomas.

    1. Danke für die warmen Worte, Sinan… Die Liebe zu mir selbst? Das wird schwierig… aber ich arbeite daran. Im Grunde habe ich mein Glück im Kleinen ja schon fast gefunden – aber irgendwie zieht es mich doch hinaus in die weite Welt, um dieser zu verraten, wie es sich anfühlt, glücklich und mit der ganzen Welt verbunden zu sein.

  2. Hallo Thomas,
    ein kleiner Schwank aus meinem Leben: Als mein Studium an der Uni Osnabrück beendet war und allgemein bekannt wurde, dass ich nach Zürich an die Uni gehen würde, kamen alle möglich engen und weniger engen Freunde und Kollegen vorbei, um mir eine gute Reise zu wünschen. Aber, was unerwartet war: Fast jeder sagte sowas wie: ‚Ach übrigens wollte ich Dir noch danken. Wenn Du mir nicht damals X gesagt hättest / von der Idee Y erzählt hättest / den Rat Z gegeben hättest / …, dann wäre mein Leben ganz anders verlaufen und ich würde nicht da stehen, wo ich jetzt bin.‘ Das hatte auch mit „Lehre“ in ganz wörtlichem Sinn zu tun, z.B. mit meinen Seminaren, insbesondere mit den Alternativseminaren zu so „verrückten“ Themen wie „Psychokinese“, also der quantenphysikalischen Idee, dass unsere Gedanken die materielle Welt direkt beeinflussen können. Und mit der Zeitschrift AGORA, die ich zur Diskussion solcher Ideen gegründet hatte. Aber vielmehr als das hatten die Anmerkungen und Gespräche gewirkt, die ich „ganz inoffiziell“, „versteckt“, „am Rande“ geführt hatte. Da ist mir klar geworden: Wir sind alle Lehrer füreinander, auch wenn wir uns nicht auf einen virtuellen und tatsächlichen Marktplatz stellen und zu Vielen sprechen. Vielleicht sind wir es sogar noch mehr, wenn wir genau das nicht tun, weil wir uns dann dem anderen als Individuum widmen können. Und wenn ich heute tot umfalle, dann wird „die Welt“ zwar meinen Namen nicht kennen. Aber es gibt viele Menschen, auf deren Leben ich einen Einfluss hatte. Und die haben wieder einen Einfluss auf andere Leben und die haben wieder Einfluss auf …. Und so sind wir vielleicht alle Lehrer für die ganze Welt, weil sich unser Einfluss auf andere wie ein Virus verbreitet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.