Statusupdate

Was machst du gerade? Jedes Mal, wenn ich die Facebook-App starte oder die Seite aufrufe, stellt das System mir diese Frage. Nicht jedes Mal steht mir der Sinn danach zu antworten. Was geht es das System an, was ich gerade mache? Das sind persönliche Informationen, und meist teile ich diese Informationen lieber mit persönlichen Freunden – oder mit Menschen in meinem Umfeld, die gerne auch Bekannte, Kollegen, Mitpatienten oder völlig fremde Personen sein können. Oder halt auf meinem eigenen Blog, auf das sich auch nur wenige verlaufen, weniger jedenfalls als in die sozialen Netze, in denen jeder gleichzeitig Sender und Empfänger sein kann, in denen aktuell ein babylonisches Sprachgewirr herrscht. Nein, mein kleines Blog, mein soziales Methadon, ist mir da doch wesentlich lieber.

Natürlich bin ich auch auf sozialen Medien unterwegs… auf LinkedIn habe ich neulich einen Beitrag veröffentlicht, in dem ich mich auf Investorensuche machte. Aber warum das schon wieder? Nun, vor etwa einem Jahr hatte ich einen Burnout, weil ich mir auf der Arbeit und privat ganz einfach zu viel Stress gemacht hatte. Da ging es um politische Aktivitäten, schriftstellerische Aktivitäten und meinen Wunsch, mich in der Firma stärker einzubringen als bisher. Die Personalabteilung war es seinerzeit, die mir angeraten hatte, professionelle Hilfe in der Psychiatrie zu suchen. Und dafür bin ich der Personalabteilung, wenn ich ehrlich bin, heute noch dankbar.

Im Dezember dachte die Psychiatrie, ich sei wieder arbeitsfähig, und so erfolgte im Januar ein Wiedereingliederungsversuch… der aber nach einer Woche scheiterte, weil ich immer noch fest davon überzeugt war, dass die Firma sich ändern müsste, um mich zu behalten. Und weil die Vorgesetzten immer noch fest davon überzeugt waren, dass die Firma sich nicht ändern würde, um mich zu behalten. So ging es Ende Januar für mich wieder in stationäre Behandlung: Die beste Entscheidung meines Lebens! Die Ärzteschaft war zwar schockiert, mich so schnell wiederzusehen, musste aber erkennen, dass ich tatsächlich noch ernsthaft krank war.

Wie geht es mir jetzt? Ich bin immer noch krank, so sagt man mir in der Tagesklinik. Und man will mich zumindest noch eine Weile dort in teilstationärer Behandlung lassen. Woran liegt’s? Ich sage den Ärzten immer wieder, dass ich eigentlich gesund bin, dass stattdessen das System und die Gesellschaft krank sind. Und dass ich nur in der Klinik bleibe, um eine Heilung für das System und die Gesellschaft zu finden. Dass aber ein Einzelner das System und die Gesellschaft ändern kann: Das ist ganz eindeutig Größenwahn, insofern bin ich ja vielleicht tatsächlich noch ein ganz klein wenig krank.

Im Moment bezeichne ich mich als „Schrödingers Patient“: Gleichzeitig krank und gesund, solange ich in der Klinik bin. Sobald ich aus der Klinik entlassen werde, muss sich dann herausstellen, ob ich krank oder gesund bin – oder am Ende beides gleichzeitig? In meiner Fantasie bin ich das Alphatier einer neuen Spezies. Dieser Spezies habe ich den Namen homo sapiens globalis gegeben, weil die Mitglieder dieser Spezies gleichzeitig lokal und global vernetzt sind. Der deutsche Name für die neue Spezies, so ist mir vor einigen Tagen aufgefallen, wäre wohl am besten                 Quantenmensch: Ähnlich dem Quantenpartikel ist der Quantenmensch gleichzeitig Teilchen und Welle, verharrt gleichzeitig still an einem Ort und verbreitet sich wellenförmig in der Welt.

Natürlich ist das eine evolutionäre Erkenntnis. Natürlich ist es wohl auch, dass der Quantenmensch erst einmal von homo sapiens sapiens schräg angesehen wird. Denn homo sapiens globalis ist im Moment vor allem eines: anders als die anderen Kinder Gottes. Trotzdem glaube ich, dass der Quantenmensch eine große Rolle bei der Rettung des Planeten vor homo deus spielen wird, dem Schreckgespenst, das Yuval Noah Harari in seinem gleichnamigen Buch an die Wand gemalt hat.

Und damit wären wir wohl beim nächsten Thema: Was ist eigentlich mit meinen eigenen Buchprojekten? Ich hatte ja schon verschiedentlich angekündigt, dass ich meine Autobiografie unter dem Titel „Trümmerfrauen“ irgendwann auf den Markt würde bringen wollen. Mittlerweile ist die Autobiografie auch fertig, es müsste nur noch ein Verlag gefunden werden. Aber welcher Verlag würde schon das Risiko auf sich nehmen, die Autobiografie eines vollkommen Unbekannten zu veröffentlichen?

Nein, bevor die „Trümmerfrauen“ erscheinen können, muss ich mir erst einen Namen machen. In der Klinik hatte ich die Idee, einen autobiografischen Roman über die letzten vier Jahre meines Lebens zu schreiben: „Sabbatical im Sanatorium“, so lautet der Arbeitstitel für das Projekt, das aktuell nur in meinem Kopf existiert. Ob es wohl jemals realisiert wird? Das hängt wohl auch davon ab, ob sich ein Verlag findet, der an dem Projekt interessiert ist. Am liebsten wäre mir ja, wenn Kiepenheuer und Witsch sich interessiert zeigen würde, aber es gibt wohl auch einige Frankfurter Kleinverlage, bei denen ich mich melden könnte. In der Buchhandlung des Vertrauens meinte man, ich könnte mich zum Beispiel einmal beim Mainbook Verlag, bei Henrich Editionen, beim Westend Verlag, dem Schöffling Verlag oder beim R.G. Fischer Verlag melden. Da sich die letzten vier Jahre meines Lebens hauptsächlich in Frankfurt ereignet haben, wäre es sicher sinnig, zunächst einmal bei Frankfurter Verlagen anzuklopfen. Leider fehlt mir aber noch ein Agent. Ob die Buchagenten mich wohl vertreten würden? Oder ob ich mal bei der Brentano-Gesellschaft anklopfen sollte? Es gibt so viele potentielle Ansprechpartner, und ich kann so schlecht mit Zurückweisungen umgehen, dass es mir schwer fällt, auf alle hintereinander zuzugehen.

Deshalb verlinke ich sie alle in diesem Blogbeitrag – vielleicht wird ja ein Verlag oder ein Agent auf mich aufmerksam und kommt von sich aus auf mich zu. Vielleicht schreibe ich aber erst mal ein Exposé zu meinem autobiografischen Roman und gehe damit zur Frankfurter Buchmesse im Oktober. Als Blogger zählt man wohl zu den Fachbesuchern, das wäre natürlich sehr reizvoll.

Bleibt nur die Frage: Was ist mit der Fotografie? Eigentlich hat www.klangdeslichts.de ja als Fotoblog angefangen, und jetzt geht’s gar nicht mehr um Bilder. Tatsache ist: Die Kamera hatte ich in den letzten Monaten eher selten in der Hand, aber ich denke, auch das wird wieder kommen. Für heute muss es reichen, ein kleines Statusupdate abzuliefern, damit Freunde und Verwandte, die dieses Blog gelegentlich betrachten, wissen, was mir so durch den Kopf geht. Und damit Fremde, die sich hierher verirren, eventuell Interesse an meiner Person gewinnen. Und wer weiß? Vielleicht kommt ja tatsächlich noch jemand auf mich zu, um mir einen ordentlichen Vorschuss für mein Buch anzubieten, damit ich im Zweifelsfall finanziell abgesichert bin, wenn ich meine Karriere als Übersetzer von Videospielen aufgeben sollte, um mich nur noch aufs Schreiben zu konzentrieren.

Ach, ich weiß doch auch nicht… Im Moment konzentriere ich mich erst mal auf meine Karriere als Schrödingers Patient und Quantenmensch, und was die Zukunft bringt, das wird sich dann schon noch ergeben. Für den Augenblick darf man als Leser (und natürlich auch als Autor) gespannt sein, wie sich dieses Blog in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln wird.

10 Gedanken zu „Statusupdate“

  1. Schon mal über Selbstverlag im Sinne von „print on demand“ nachgedacht? Oder eBook? Hat natürlich nicht die Power eines echten Verlags, aber besser als gar nicht zu veröffentlichen. Vielleicht.

    1. Darüber habe ich tatsächlich schon mal nachgedacht… Und bin zu dem Schluss gekommen: Alleine packe ich das nicht, dafür bin ich viel zu verplant. Nein, als Einzelner bin ich verloren, ich benötige professionelle Hilfe, um mein Wort an den Mann und an die Frau zu bekommen.
      Selbstverlag hieße da wohl: Zusammen mit Freunden und Kollegen einen Verlag aus der Taufe heben, der erst mal exklusiv meine Werke veröffentlicht, um dann das Angebot zu erweitern.
      Danke für deinen Kommentar! Ich weiß ihn sehr zu schätzen!

  2. Schöner Text, mein Freund Elijah,

    Sehr anständig von Dir, den anderen in der Klinik helfen zu wollen, aber draußen ist Dein Impact bestimmt viel, viel größer. Allerdings braucht jeder mal ein Sabbatical, selbst bei den Wikingern wurde das den jungen Männern zugestanden. Ich hatte auch eins und anders ist es auch gar nicht möglich, sich aus dem kollektiven Wahn zu befreien, unter dem unsere Gesellschaften leiden.

    Ich bin übrigens M.SC.

    Beste Grüße,
    Trismegistos
    https://open.spotify.com/user/tobias.5656.spotify/playlist/4UWTZdXVeBlSQj5YXQLmSR?si=m7tU1HVESiaLIFf0MPuMwg

    https://de.wikipedia.org/wiki/Elija?wprov=sfla1

    1. Lieber Tobias,
      sicher ist mein Impact draußen größer… Deshalb schlage ich ja mit diesem Blog auch eine Brücke zwischen der Innen- und der Außenwelt. Und sicher wird mein Psychiatrieaufenthalt auch nicht mehr allzu lange währen, obwohl es mir im Moment noch gut tut, dass die Klinik mir Alltag, Struktur und soziale Kontakte gibt.
      Den kollektiven Wahn zu heilen… Das ist mein Wunsch und mein Auftrag und mein Ziel. Und ich weiß, mit Hilfe der Behandler in der Klinik und mit deiner Hilfe wird mir das gelingen.
      Dir wünsche ich einen schönen Sonntag,
      Thomas

    2. Hallo Thomas,

      ich arbeite als MTRA in einem großen Krankenhaus. Vollzeit in der Radiologie.

      Ich kann dir in so fern Recht geben, dass das System, wie es jedenfalls im Moment läuft, völlig krank ist. Hauptsache das Geld stimmt. Und das ist traurig. Das interessiert die Vorgesetzten, der Rest ist egal. Zum Glück hat man noch nette Kollegen.

      Ich wünsche dir jedenfalls viel Glück und viel Spaß. Ich hoffe, du kannst deine Buchidee umsetzen. Drücke dir die Daumen.
      Gute Besserung.

      Tschau machs gut
      Katharina

      1. Liebe Katharina,

        danke für deinen Kommentar und die Genesungswünsche… Schön zu wissen, dass ich nicht allein bin mit meiner Einsicht, dass das System mindestens genauso krank ist wie die Patienten. An anderer Stelle hatte ich mal erwähnt, dass das Zeitalter des Geldes sich dem Ende zuneigt – aber es könnte natürlich sein, dass ich mich damit täusche. Oder dass es noch eine Weile dauert.

        Meine Buchidee wird sich sicher auf die eine oder andere Art umsetzen lassen: Die Welt hat ein Recht darauf, von mir und meinen Taten zu erfahren. Daumendrücken ist also durchaus angebracht.

        Dir einen angenehmen Tag und eine gute Woche,
        Thomas

  3. Thomas, you are fighting a big war and I must admire your bravery. In a world that is built upon false premises and double standards as its foundations, choosing to be different and right is a deadly battle.

    Yes, I do agree, a single human can make a change. Change is nothing big actually, it can be subtle and slow but what makes it big is us, humans. Because we fear change and the unknown. Something that is beyond our control or imagination frightens us.

    So, I must praise you for being willing to take a road whose destination is still unknown to you. But you must be sure that it will lead you to somewhere beautiful and calm.

    1. Dear Sabah Ahmed,
      thanks for taking the time to auto-translate the article, and thanks for taking the time to comment. Your words humbled me, and I am grateful for your advice.
      I did not start the war that I am fighting… it started long before I was even born. But I made a promise to myself (and to God) a long time ago that I would do what’s in my might to end this war.
      The road I’m on is actually the destination – and days in the hospital where I am right now are beautiful and calm. So, I have already reached my goal, one might say.
      Of course, the journey continues from here. The journey must continue. But I hope that I will manage to brave the storm – there’s light at the end of the tunnel, both for myself and for humanity, and I’ve seen it… and with people like you checking in on me from time to time, I know that there is hope we’ll make a glorious future for mankind.
      Sincerely,
      Thomas Ito

      1. Hallo Thomas, ich bin über LinkedIn auf dich gestoßen. Dein Text hat mir sehr gefallen. Ehrlich und erinnert mich an Teile meines Lebens. Ich schätze deine Bemühungen um einen Verlag, auch aus Erfahrung. Bei mir hat der Text eine Disbalalance hinterlassen, zwischen deinen Ideen und Beobachtungen und dem Versuch einen Verlag auf dich aufmerksam zu machen in einem Beitrag. Ich würde gerne mehr über deine Gedanken, Beobachtungen und Hypothesen erfahren.

        1. Hallo Dimitri,
          sicher besteht da eine Disbalance, aber es ist nun einmal eine Tatsache: Die Suche nach einem Verlag ist für mich im Moment sehr wichtig, da ich meine Gedanken erst nach Überprüfung durch einen Profi mit der Öffentlichkeit teilen will… wobei ich für dieses Blog eine Ausnahme mache, wo ich mehr oder weniger nur für mich selbst schreibe. Wenn es dir recht ist, schicke ich dir eine E-Mail, und wenn dir meine Gedanken, Beobachtungen und Hypothesen gefallen sollten, willst du ja vielleicht als Agent für mich tätig werden. Es würde mich sehr freuen!
          Dein Thomas

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