Die Einführung der Symbolwirtschaft

Vorgestern, am 9. November 2018, teilte ich per E-Mail ein Dokument mit einigen ausgewählten Empfängern, in dem ich – nicht ganz unbescheiden – das Ende der Marktwirtschaft erklärte und als neues System für die wirtschaftliche Zusammenarbeit auf globaler Ebene die „Symbolwirtschaft“ definierte. Es war mir wichtig, dieses Dokument pünktlich zum Stichtag, dem 100. Jahrestag der Ausrufung der Republik in Deutschland, bei den diversen Stellen, die ich anschrieb, ins Gespräch zu bringen. Gestern dann sandte ich das Dokument an einige Freunde und Bekannte, um auch sie – zeitgleich mit der Durchführung des European Balcony Project – in meine Pläne einzuweihen. Heute, zum Gedenken an das Ende des 1. Weltkriegs, das vor 100 Jahren besiegelt wurde, möchte ich das Dokument mit der Welt teilen… oder zumindest mit dem Teil der Welt, der dieses Blog besucht. Es handelt sich hierbei natürlich nur um einen ersten Entwurf für ein neues Wirtschaftssystem, das im Laufe der nächsten Jahre und Jahrzehnte sicher noch weitergedacht und verfeinert werden kann und muss. Trotzdem möchte ich es schon heute zur Diskussion stellen und freue mich auf jede Art von Feedback, die dieser Text auslösen mag.

Für diejenigen, die noch nicht davon gehört haben, sei es an dieser Stelle kurz erwähnt: Am 2. August 2016 schickte ich im Rahmen eines Projekts zur Rettung der Europäischen Union eine Mail an ausgewählte Medien in Deutschland, in der ich das Ende des Kapitalismus erklärte und die Medien bat, dem Kapital meine Grüße auszurichten – die Party sei zu Ende, das Personal erschöpft, die Rechnung werde in den nächsten Tagen zugestellt: Ich bat die Medien, mein Wort in die Wirtschaft hineinzutragen, damit das Ende des Kapitalismus ohne einen großen Knall und ohne große Katastrophen eingeleitet werden könne.

Am 2. August 2017 wandte ich mich dann in einer Mail direkt an einige größere Konzerne, denen ich die “Wahrheit[TM]” offenbarte, in der ich sie zur Umkehr aufrief. Meine Mail vom Vorjahr sandte ich im Anhang mit, damit die Wirtschaft – jetzt aber wirklich – vom Ende des Kapitalismus informiert sein sollte: Im Textkörper bat ich die Empfänger, mein Wort möglichst weit zu streuen, die Botschaft in die Welt zu tragen. Direktes Feedback erhielt ich nicht auf diese Mail, wie auch schon die Mail vom 2. August des Vorjahrs unbeantwortet geblieben war.

Am 20. Mai 2018, einem Pfingstsonntag, lieferte ich dann eine erste Antwort darauf, was an die Stelle des Kapitalismus treten könnte: Ich sandte einen Aufsatz an die Rheinische FriedrichWilhelms-Universität zu Bonn, in dem ich einen “guten und gerechten Globalismus” definierte. Diesen Aufsatz sandte ich auch an weitere Empfänger und Empfängerlisten, um einen möglichst breiten Diskurs über die Vor- und Nachteile des Globalismus als Alternative zum Kapitalismus anzuregen.

Ein Kernelement des Globalismus ist die von mir so genannte “Agora-Theorie”, laut der es eines Gegengewichts zum heiligen Markt bedarf, der im Kapitalismus als gottgleiche Entität verehrt wird, der im Kapitalismus allein über das Schicksal der Menschen zu bestimmen scheint. Diesem Markt gesellte ich die Agora bei, eine Instanz, die den Markt kontrollieren solle, um seine gröbsten Exzesse zu verhindern und die Schäden zu beseitigen, die in Jahrhunderten der Marktwirtschaft angerichtet worden waren. Ich bat die Universität Bonn darum, die Theorie zu diskutieren, genauso wie ich andere Empfänger meines Textes “Was ist Globalismus?” dazu aufrief, sich Gedanken über die Agora zu machen.

Am Morgen des 6. November 2018 erwachte ich aus tiefem Schlaf, und in meinem Kopf manifestierte sich ein Lösungsansatz für die Probleme, die Jahrhunderte des mehr oder weniger ungebremsten Kapitalismus mit sich gebracht hatten: Vor meinem geistigen Auge erschien das Wort “Symbolwirtschaft”. Was es mit dieser auf sich hat, davon will dieser Text berichten.

Kurz gesagt lässt sich davon ausgehen, dass Geld jedweder Form nicht nur Tauschmittel ist, sondern auch ein mächtiges Symbol: Ein Symbol für Wert an sich, in erster Linie für Marktwert. Spätestens seit Aufhebung der Goldbindung des Dollar im Abkommen von Bretton Woods ist dieses Symbol zu einem Abstraktum geworden, das im frühen 21. Jahrhundert keiner Entsprechung mehr in der realen Welt bedarf.

Darin aber ähnelt das Geld einem Gott, der von einigen verehrt wird, unabhängig davon, ob es für ihn eine Entsprechung in der Realität gibt oder nicht. Man könnte sagen, der Kapitalismus im 21. Jahrhundert hat die Züge einer Religion angenommen, deren Gott, das Geld, über den Markt herrscht. Der Markt aber, so will es das Gesetz der Marktwirtschaft, herrscht über den Menschen,

der gezwungen ist, seine Arbeitskraft auf eben diesem Markt, dem Arbeitsmarkt, anzubieten, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Nun ist aber die Agora in die Welt hineindefiniert worden, um ein Gegengewicht zum Markt darzustellen, um das marktgesteuerte Geschick der Menschheit nachhaltig zu korrigieren, da es evident erscheint, dass der Markt allein nicht in der Lage ist, den „Wohlstand der Nationen” auf gute und gerechte Art und Weise zu verteilen.

Ist aber der Markt allein überfordert mit der Schaffung eines guten und gerechten Systems zur Verteilung der begrenzten Mittel, so muss an die Stelle der Marktwirtschaft eine andere, neue, bessere Wirtschaftsordnung treten.

Im Rahmen eines früheren Projekts schlug ich einmal vor, auf globaler Ebene eine “nachhaltige soziale Marktwirtschaft” zu etablieren. Im Rahmen der Definition meiner Agora-Theorie aber ist mir aufgefallen, dass der Markt allein nie in der Lage sein wird, die Probleme zu lösen, die auf ihm und durch ihn und mit ihm in der Vergangenheit geschaffen wurden.

So schlage ich denn heute vor, das System der Marktwirtschaft durch das System der Symbolwirtschaft zu ersetzen, und zwar nach Möglichkeit auf globaler Ebene. Dabei ist mir natürlich völlig klar, dass der Systemwechsel nicht von heute auf morgen stattfinden kann, und es ist mir auch durchaus bewusst, dass ich selbst – zumindest in diesem Leben – vermutlich nicht in der Lage sein werde, die Symbolwirtschaft als real existierende Wirtschaftsordnung auf globaler Ebene zu erschauen.

Insofern könnte man sagen: Die Symbolwirtschaft ist Teil meines Erbes, das ich mit der Menschheit teilen will, damit möglichst viele Menschen von einer guten und gerechten Wirtschaftsordnung profitieren können. Aber was verbirgt sich hinter dem Begriff?

Dass Geld ein mächtiges Symbol ist, haben wir schon festgestellt – ebenso haben wir festgestellt, dass es ein Symbol für den reinen Marktwert einer Sache oder Dienstleistung ist, die am Markt für Euro, Dollar, Yuan oder Rubel zu erhalten ist. Oder für eine beliebige andere Währung, die im Land des Handeltreibenden akzeptiert wird.

In der Symbolwirtschaft nun werden neue Symbole entworfen, die ebenfalls Wert (oder Werte) ausdrücken können, und auf der Agora wird der jeweilige Wert der Symbole ausverhandelt. Erste zaghafte Versuche, neue Symbole zu definieren, fanden bereits mit der Schaffung von Bitcoin, Ethereum, Q und anderen virtuellen Währungen statt, das Problem dieser “Währungen” ist jedoch, dass sie nur Wert vortäuschen, während Symbole, die echte Werte ausdrücken, bis jetzt noch nicht ausreichend erforscht sind.

Oder sind sie das am Ende doch? “Gott” ist ein mächtiges Symbol, und ich setze ihn hier bewusst in Anführungszeichen, da auf der globalen Agora verschiedene Definitionen Gottes existieren; die Juden, Christen, Moslems verehren Gott auf unterschiedliche Art und Weise, haben sich Riten definiert, die sich voneinander unterscheiden. Auch Weihnachten, Ostern und Pfingsten zum Beispiel sind Symbole, um nur die drei Hauptfeste des Christentums zu benennen, die im Jahreskreis gefeiert werden, um die Menschen in ihrem Glauben zu bestärken und um die Flamme des Christentums am Brennen zu erhalten. Gerade die Weihnacht aber ist im Kapitalismus zu einem Fest des Warenaustauschs neu definiert worden, dem Pfingstfest aber ist diese unheilige Verbindung von klerikaler Bedeutung und Neudefinition durch das Kapital bisher erspart geblieben. Andere, eher weltliche Symbole, denen ein Wert beigemessen werden kann, sind zum Beispiel die Emojis und die Memes: Sie transportieren Stimmungen und Inhalte in komprimierter Form, sie

dienen dazu, dem Empfänger Botschaften, Gefühle zu vermitteln, die in reinen Worten nur auf ungleich komplexerem Weg kommuniziert werden könnten.

Mit der Definition von “Göttin” (oder, wie mancher sie auch nennen mag, von “Gött*in”) habe ich mir selbst ein Symbol geschaffen, das mir Kraft und Würde gibt, mein Wort in die Welt zu tragen. Als ich mich selbst zum “König von Deutschland” definierte, da wurde auch ich zum Symbol: Ich bin das fleischgewordene Symbol für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit unter den Völkern und Klassen, die in Deutschland leben, so definierte ich meine Rolle, nur für mich persönlich erst, und damit wurde ich zu einem reichen Mann: Es mangelt mir an nichts, auch wenn ich auf vieles verzichten muss, das ist meine aktuelle Auffassung von mir selbst.

Mein Leben aber sehe ich als Modellversuch: Ist es möglich, die Symbolwirtschaft auch in weiteren Kreisen zu etablieren? Ist es möglich, den heiligen Markt seiner Heiligkeit zu berauben, um der Welt einen nicht nur materiellen, sondern auch spirituellen Wohlstand zu bescheren, der letztlich dazu führt, dass unsere Spezies, homo sapiens globalis, in die Lage versetzt wird, die Menschheit vor dem Untergang zu bewahren? Das sind die Fragen, die ich heute in den Raum stellen will, damit sie geteilt und breiter diskutiert werden mögen: “Symbolwirtschaft” ist nur ein Wort, nur eine vage Idee, ein Hauch von einer Vorstellung, wie die Welt in zwei-, dreihundert Jahren aussehen mag.

Dieses Wort werfe ich, wie schon so viele Worte vorher, in das Feuer der öffentlichen Debatte, in der Hoffnung, das kluge Köpfe es mit Inhalt füllen mögen – und in der Hoffnung, dass einige der Inhalte mich erreichen mögen, in der Hoffnung, damit einen Diskurs über das gute und gerechte System anzuregen, das dereinst das Zusammenleben von Menschen, Tieren, Pflanzen und sonstigen Lebensformen auf diesem Planeten regeln soll.

Ob wohl ein Feedback auf diese Worte folgen mag? Ich rechne fest damit. Wie dieses Feedback aussehen mag, das kann ich im Augenblick noch nicht absehen… ich pflanze den Gedanken in so viele Köpfe, dass die Diskussion über die Symbolwirtschaft sicher schwierig wird. Aber ich denke, am Ende werden wir einen tragfähigen Kompromiss finden können, der dazu beiträgt, den Planeten auch für kommende Generationen zu erhalten. Auf den Weg dorthin und auf die Debatte, die nun zu führen ist, freue ich mich sehr – und werde mich im Rahmen meiner Möglichkeiten sicher gern daran beteiligen.

2 Gedanken zu „Die Einführung der Symbolwirtschaft“

  1. die Menschheit, getrieben von letzten Endes seiner sexuellen Beduerfnisse, wuerden nie das monetaire System mit der Symbolwirtschaft auswechseln. Nur wenn man mit der Symbolwirtschaft einfacher seine sexuelle Beduerfnisse stillen kann, wuerde es erfolgreich sein. Ist es dann moeglich? war mir nicht so deutlich. . . ;;)

    1. Du meinst, es geht im Kapitalismus nur um Sex? Interessante These… da weiß ich gar nicht, was ich sagen soll.
      Aber das ist vermutlich ganz okay so: Die Symbolwirtschaft steht ja noch ganz am Anfang ihrer Existenz, da gibt es sicher noch viele Fragen, die zu klären sind. Ich nehme deinen Kommentar mal einfach an und überlege mir, wie das fatale Dreieck von Geld, Sex und Macht in der Symbolwirtschaft am besten neutralisiert werden kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.