Helden wie wir

Ein wenig ruhig war es ja schon auf www.klangdeslichts.de in den letzten Wochen. Zu ruhig, so möchte man fast sagen: Das letzte Posting, das war Ende Juli, und jetzt ist tatsächlich schon Oktober? Das heißt, im August und September schwieg dieses Blog! Warum nur? Was war geschehen?

Im August ging die Website von Sahras Sammlungsbewegung #aufstehen an den Start, da musste ich mich natürlich erst mal engagieren… Weil’s mir grundsätzlich wichtig ist, mich in den politischen Prozess einzubringen – übersteigertes Sendungsbewusstsein, ich weiß, das ist sicher problematisch, aber ich kann nun mal nicht raus aus meiner Haut. Ich musste der Sahra einfach eine Mail zukommen lassen, in der ich ihr die „Kronjuwelen der Sammlungsbewegung“ anbot… und auch ansonsten schrieb ich im August die eine oder andere Mail, um Feedback zu den „Trümmerfrauen“ in ihrer bisherigen Form zu erhalten – leider kam kein Feedback zurück bis jetzt, jedenfalls noch nicht in der Form, die ich mir erhofft hätte.

Immerhin eine Absage konnte ich schon kassieren – eine Literaturagentur hier in Frankfurt ist auf jeden Fall schon mal NICHT daran interessiert, mich zu vertreten. Und ich kann’s ja auch irgendwie verstehen. Schade ist es natürlich trotzdem, Rückschläge kassiert man nicht gerne.

Und dann stellte ich die Arbeit an den „Trümmerfrauen“ ein – die beste Frau von allen hatte gemeint, ich müsste meine Autobiografie mit einem ganz anderen Anfang versehen. Und vermutlich hat sie Recht: Das bisherige Manuskript werde ich wohl in die Tonne klopfen müssen, noch einmal ganz von vorne anfangen – aber dass das Buch über kurz oder lang geschrieben werden muss, ist eigentlich vollkommen klar: Die Welt hat ein Anrecht zu erfahren, wer ich bin und was ich mir geleistet habe in den letzten Jahren…

Was habe ich mir denn schon groß geleistet? Ich habe aus Langeweile, Frust und Einsamkeit ein paar Texte geschrieben und mit den Medien geteilt. Nichts Großes, könnte man meinen, kann im Grunde jeder machen – es macht halt nur nicht jeder ganz so extrem, wie ich’s getan habe in den letzten Jahren.

Ist aber im Prinzip nicht so wichtig im Moment: Nach einem Mitarbeiterführungsgespräch im September war ich so verzweifelt, dass ich fast schon von mir aus den Job gekündigt hätte, weil ich „Schande“ über meinen Arbeitgeber bringe. Ist ein komisches Konzept, sicherlich, aber wenn man so lange in Japan gelebt hat wie ich und eine so enge persönliche Bindung an das Land hat, dann kommt es einem nur schlüssig vor, dass man eher professionell Seppuku begeht als sich auf der Arbeit zu blamieren.

Zum Glück hatte mein Vorgesetzter mir einen guten Rat mit auf den Weg gegeben: Einen Coach oder Therapeuten sollte ich mir suchen, hatte er gemeint – und genau das habe ich gemacht. Eigentlich sogar: Eine ganze Herde von Coaches, Therapeuten, Nachbarn, Freunden und ganz allgemein von Menschen, die mich durch den Alltag tragen.

Trotzdem lässt es sich wohl nicht leugnen: Einen Burnout habe ich auf jeden Fall, als Übersetzer von Videospielen bin ich vermutlich endgültig „verbrannt“ – jetzt muss man sehen, inwieweit ich meinem Arbeitgeber trotzdem noch von Nutzen sein kann… Denn im Prinzip arbeite ich ja gerne zusammen mit den Menschen, mit denen ich zusammenarbeite.

Ist alles eine verdammt komplexe Kiste…  Auf der einen Seite will ich gerne für meine aktuelle Firma weiterarbeiten, auf der anderen Seite müsste sich die Firma aber drastisch ändern, wenn sie mich halten wollte – und ein globaler Video-Game-Supertanker wie meine Firma ändert nicht mal einfach so von jetzt auf gleich ihren Kurs, bloß weil es ein einzelner Angestellter aus dem Maschinenraum der europäischen Niederlassung frecherweise vorschlägt.

Andererseits: Ich habe Vorschläge zu machen, die nicht nur schwer abzulehnen sind, sondern auch noch potenziell extrem profitabel – und nachhaltig obendrein. Eigentlich wäre mein Arbeitgeber gut beraten, sich meine Vorschläge wenigstens anzuhören. Also, sobald ich wieder fit genug bin, sie zu unterbreiten.

Bis dahin wird aber wohl noch ein wenig Zeit vergehen… Da dachte ich mir, zeige ich heute mal ein paar der Erinnerungsfotos, die meine Nichte auf unserer Firmenfeier dieses Jahr für mich geschossen hat. Weil ich ja irgendwie auch stolz darauf bin, dass Satoru Iwata und Charly Körbel beide mit mir posiert haben…

Ich wette, ihnen war beiden nicht völlig klar, mit welcher seltsamen Art von Legende sie posierten. Aber egal… Hauptsache, meine Nichte wusste Bescheid. Hauptsache, es steht mal wieder ein kleines Update auf dem Blog. War ja wirklich komisch, so lange nichts mehr ins Internetz zu schreiben.

Wie die Reise jetzt genau weitergeht: Darauf darf man auf jeden Fall gespannt sein.

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