Was will Gott?

„Gott will es!“ Mit diesem Schlachtruf zogen die Kreuzritter im Mittelalter in den Krieg. Die Wikipedia lehrt uns, dass die anwesenden Gläubigen mit diesem Ruf auf eine Predigt Papst Urbans II. reagierten, der im November 1095 in Clermont zur Befreiung der heiligen Stätten in Jerusalem aufrief. Die Befreiung Jerusalems von den Muselmanen – so wurden sie damals genannt – führte zu Jahrhunderten blutiger Auseinandersetzungen zwischen Abend- und Morgenland, und wenn man sich ansieht, wie heute noch in Deutschland und der Welt über den richtigen Umgang mit dem islamischen Glauben debattiert wird, dann könnte man sagen: Religionspolitisch gesehen waren die Kreuzzüge ein echter Schuss in den Ofen.

Die Schnapsidee, die heilige Stadt Jerusalem zu „befreien“, geht übrigens zurück auf Papst Gregor den Großen, wenn man ganz genau sein will: Irgendwann im 5./6. Jahrhundert kam er auf den glorreichen Gedanken, man müsse den Glauben mit Feuer und Schwert verbreiten – und startete „bewaffnete Pilgerzüge“, die damals erst nur innerhalb Italiens durchgeführt wurden, später aber dann dazu beitrugen, den christlichen Glauben, wie wir ihn heute kennen, in die große weite Welt zu tragen.

Oder war das am Ende gar nicht mal so eine Schnapsidee?

Damals lebten die Menschen in einer wilden Welt der Waffengewalt. Und Jesus Christus hatte mit seiner Lehre ein Licht in die Welt gebracht, das unbedingt verbreitet werden musste. Verbreitet werden wollte. „Liebe deinen nächsten wie dich selbst“, so hat Jesus Christus uns gelehrt, er hat die Liebe in die Welt gebracht. Und Liebe ist Macht, wie ich erst gestern gehört habe. Liebe ist Feuer, so predigte es der Bischof von Chicago auf der Hochzeit des englischen Prinzen Harry und der amerikanischen Schauspielerin Meghan Markle. Liebe ist das Feuer, so predigte der Bischof, und dass die Zähmung des Feuers die größte kulturelle Leistung der Menschheit sei. Und dann kriegte er den Twist und sprach die Worte, die mir eine liebe Freundin – ich lasse sie hier bewusst ungenannt, aber sie weiß sicher, dass sie gemeint ist – schon vor vielen Jahren offenbarte: Gott ist Liebe. Und wenn wir das Feuer der Liebe beherrschbar machen, wäre das die nächste kulturelle Großleistung der Menschheit.

Die Liebe beherrschbar machen? Was faselt der Ito da wieder, wird sich mancher fragen. Aber es ist Pfingsten, also lest ruhig weiter, wenn ich nicht zu nervig werde. Letztes Jahr zu Pfingsten habe ich wohl geschrieben, dass die Liebe Christi den Jüngern half, ihre Angst zu überwinden. Und weil sie die Angst besiegt hatten, konnten sie zu Pfingsten die Lehre ihres Meisters in die Welt tragen, weil sie die Angst besiegt hatten, konnten sie die Inspiration nutzen, die Christus ihnen gegeben hatte: Flammende Zungen stiegen vom Himmel, und so konnten die Jünger ihre Meinung über den Messias klar vertreten – womit wir wieder beim Feuer wären.

Heute brennt die Welt an allen Ecken und Enden. Was wir bräuchten, um den Weltenbrand zu löschen, wäre ein Löschzug der Liebe, so habe ich einmal privat in einem kleinen Text formuliert, der auf diesem Blog auch irgendwo zum Download steht. Wir müssten wohl tatsächlich „das Feuer der Liebe beherrschbar machen“, wie es der Bischof in seiner Predigt gesagt hat.

Was will Gott?

Diese Frage stellte ich mir irgendwann 1996 oder so, als ich versuchte, meinen ersten großen Roman zu schreiben. Und an der Aufgabe gnadenlos scheiterte – die Zeit war einfach noch nicht gekommen, ich hatte meinen Stil noch nicht gefunden. Was weiß ich, was Gott will? Ich bin doch nicht Gott… Das war die Antwort, die ich damals gab – glaube ich.

Nietzsche postuliert in seinen Schriften, Gott sei tot. So war es wohl meine erste Aufgabe, ihn von den Toten auferstehen zu lassen. Das tat ich, indem ich der Welt in einer Mail verkündete: Gott war gar nicht tot, er hielt nur einen langen Winterschlaf. Aber jetzt ist er wieder aufgewacht. Natürlich musste ich zuerst das „Luzifer-Problem“ lösen und Göttin in die Welt bringen. Lange Geschichte, erzähle ich irgendwann bei Gelegenheit.

Ich ging mit Göttin zu Rate, denn mir war klar: Wenn ich irgendwem dieses Geheimnis verrate, dann bringe ich damit mein Leben in Gefahr. Aber Göttin gab mir ein Versprechen: Wenn ich freundlich und fair vorgehen würde, dann hätte ich zumindest eine ordentliche Chance, die Welt von Ihrer Existenz zu überzeugen. Und so schritt ich frisch ans Werk und verkündete die „Wahrheit[TM]“ über Gott und Göttin. Und hielt der Welt ganz nebenbei den Spiegel vor.

„Gott würfelt nicht“

Diese Worte sind von Albert Einstein überliefert. Und ich glaube, Einstein hatte Recht. Gott hat einen Plan. Und zwar vermutlich mit Jedem und mit Jeder. Mir hat er die Rolle gegeben, das Pikas zu sein. Ich glaube, ich bin das Pikas, das Gott gegeben hat. Denn Gott würfelt nicht, Gott spielt Skat. Zusammen mit Göttin und dem Menschen. Oder mit der ganzen Menschheit?

Die ganze Menschheit hilft mir aber, Gottes Willen zu ergründen. Ich glaube, das ist sein Plan. Weil es mir unmöglich ist, Gottes Willen allein zu ergründen. Das schaffen wir nur, wenn wir zusammen daran arbeiten. Unabhängig davon, ob wir jetzt an Gott glauben oder nicht. Unabhängig davon, ob unser Gott nun Gott heißt, Jahwe oder Allah. Wenn wir an uns selbst glauben, können wir viel erreichen.

Natürlich habe ich auch einen Plan. Aber wenn ich den verraten würde, dann wäre ja die ganze Spannung weg… Nur so viel sei gesagt: Der Plan ist gut, er ist gerecht, und er basiert auf den Prinzipien von Gleichberechtigung und Gemeinsinn. Ob es mir gelingt, den Plan in die Tat umzusetzen, steht auf einem anderen Blatt Papier. Hat irgendjemand Lust auf eine Runde Poker?

2 Gedanken zu „Was will Gott?“

  1. Christentum schoen und gut, aber letztens kam ich wieder in Kontakt mit den Graumsamkeiten der Hexenverfolgung, womit 60.000 Frauen im Namen des Christentums verbrannt wurden von 12. bis zum 18. Jh. in Europa. Maenner haben somit alle Freiheit gehabt um starke, intelligente und reiche Frauen zu elliminieren. Ich bin jedenfalls froh, dass ich im 21 Jh. in einem Industrieland aufgewachsen bin. In 210 andere Laender geht’s den Frauen immer noch so schlecht wie damals im Mittelalter.

    1. Bis jetzt hat noch JEDE Religion Leid in die Welt gebracht… Auch das Judentum und der Islam. Scheinbar sogar der Buddhismus! Aber trotzdem: Der Glaube an eine höhere Macht hat die Menschen auch geeint – und das ist doch auch der Gedanke der Aufklärung: Dass die Menschen sich einig werden sollen. Dass alle Menschen gleich sind. Dass alle Menschen Brüder (und Schwestern) werden sollen. Sicher, die Hexenverbrennung ist genauso verdammenswert wie die Kreuzzüge, aber: Passiert ist passiert! Was jetzt wichtig wäre: Vergangenes vergangen sein lassen und den Blick in die Zukunft richten – wie definieren wir Jahwe/Gott/Allah im 21. Jahrhundert, und wie schaffen wir’s, dass möglichst viele Menschen am Ende ihres Lebens ins Nirvana kommen? Das wäre eine Frage, über die es nachzudenken lohnt.

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