Gedanken aus dem Off

Mein letzter Blogbeitrag war ja eher so ein Rundumschlag… Da habe ich mal alles verlinkt, war mir im Netz die Tage davor aufgefallen war, und am Schluss war der Text wohl eher ziel- und planlos. Kommentare gab’s nicht wirklich viel, und insofern könnte ich mal wieder sagen: Lassen wir’s doch einfach bleiben… aber dann: Nicht bloggen ist auch keine Lösung, wie ich an anderer Stelle mal gelesen habe, und ein paar Gedanken gibt’s ja immer, die der Mensch gern loswerden will.

Zunächst sollte ich wohl loswerden, dass ich mich sehr darüber gefreut habe, dass der Kevin von Xyndrac.net auf meinen letzten Artikel einen Pingback geschickt hat… auf seinem Blog findet er nicht nur freundliche Worte zu www.klangdeslichts.de, sondern schreibt auch Kluges zum Thema „Foto-Tutorials im Internet“ und „Kommentare unter Internet-Nachrichtenartikeln“. Kluger Mann, bei ihm werde ich sicher öfter noch einmal vorbeischauen.

Wo ich auch immer wieder reinschaue, sind die Kolumnen bei www.spiegel.de. Natürlich ist es auch interessant, die Diskussionen unter den jeweiligen Texten zu lesen, meinen eigenen Senf gebe ich allerdings eher selten dazu. Wieso auch? Wenn sich zum Beispiel Sibylle Berg darüber beschwert, dass alle viel zu laut sind, dann lasse ich das erst mal sacken. Ihr Text ist gut geschrieben und bedenkenswert, auch wenn die Leser auf die Fortsetzung erst mal zwei Wochen warten mussten. Dass die Lösung unserer Probleme laut Frau Berg dann letztlich „weniger Hass, mehr Solidarität“ zu sein scheint, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die nicht gesondert erwähnt werden müsste – oder ist es wirklich so grotesk schwer, sich in unserer schnellen Zeit die Muße für Zusammenhalt zu nehmen?

Symbolbild: Ist die Moderne kaputt? Und wenn ja: Kann man sie noch reparieren?

Interessant war in diesem Zusammenhang ein Interview mit dem Philosophen Richard David Precht auf www.taz.de – gegen Ende des Interviews schlägt Precht das Gegenteil von Innovation als Zukunftsmodell vor. Der Gedanke erscheint bedenkenswert. Allein schon deshalb, weil „Weltmarktführer auf dem Gebiet der Exnovation“ tatsächlich einen schönen Klang hat.

Mindestens ebenso interessant waren die Gedanken von Oliver Nachtwey auf Zeit Online: Er analysiert die Krise einer Linken, die Teil des Establishments geworden ist, anstatt kühne Visionen zu entwickeln, wie der Kapitalismus überwunden werden kann. Was aber auch gar nicht so einfach ist, vor allem, wenn man das politische System tatsächlich nur linear denkt und nicht mindestens zweidimensional, wie es ein lesenswerter Artikel über die von Oskar Lafontaine vorgeschlagene „linke Sammlungsbewegung“ vorschlägt. In einem Bezahlinhalt stellt die ZEIT die These auf, dass die zweite Achse des neu zu denkenden politischen Systems die Achse „Global vs. National“ darstellt. Jetzt bin ich natürlich versucht, noch einmal mein Globalistisches Manifest zu verlinken, das ich schon im letzten Jahr wie saueres Bier geteilt habe. Gleichzeitig denke ich mir: Die „zweite Achse“ sollte neben den Eckpunkten „Global“ und „National“ auch noch die Optionen „Regional“ und „Kommunal“ enthalten – gerade angesichts der Abspaltungsbewegungen in Katalonien, Schottland, Norditalien und woanders scheint zumindest die Option „Regional“ ja auch Teil des politischen Spektrums auf der horizontalen Achse zu sein.

Und spätestens hier gäbe es schon wieder viel zu schreiben – im Grunde glaube ich ja, dass sich ein modernes politisches System nicht nur an einer oder zwei Achsen orientieren sollte, sondern mindestens an dreien: Die Welt ist dreidimensional, wieso sollte das politische System der Gegenwart diese Dreidimensionalität nicht abbilden? Aber hierauf einzugehen, würde diesen Blogbeitrag, der ohnehin schon wieder arg experimentell geraten ist, sicher überlasten.

Deshalb zum Schluss nur noch ein Hinweis: Das Blog www.kwerfeldein.de beschäftigt sich weniger mit Philosophie, dafür mehr mit Fotografie – hier fand ich einen Beitrag über Zufälligkeit in der Fotografie, der mich gut unterhalten hat. Und irgendwie hat er mich wohl auch dazu ermutigt, die Zufälligkeit im Bloggen zu erforschen… welcher der verlinkten Autoren letztlich davon Kenntnis nimmt, was ich hier mehr so nur für mich formuliere, lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sagen. Auch lässt sich nicht ahnen, ob dieser Blogbeitrag uns der Revolution – oder wenigstens einer ernstzunehmenden Erneuerung – näher bringen mag. Na gut, wahrscheinlich eher nicht: Da müsste schon jemand mehr ins Spiel bringen als nur einen kleinen Blogbeitrag aus dem Off.

Aber als Gedankensortiermaschine funktioniert dieses Blog schon ganz gut, das muss man ihm lassen. Und wenn sich manchmal – ganz, ganz selten – tatsächlich so etwas wie ein Diskurs ergibt, und sei es nur im Kopf des Autors, dann erfüllt www.klangdeslichts.de ja doch irgendwie seinen Zweck.

2 Gedanken zu „Gedanken aus dem Off“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.