Brief an einen fremden Freund

Lieber fremder Freund,

ungefähr ein Jahr ist es her, da schrieb ich einen Brief an eine unbekannte Fee. Sie hatte einem Bekannten einen Wunsch gewährt, er war sich aber nicht sicher gewesen, was er sich wünschen sollte – und hatte unter anderem mich gebeten, an seiner Stelle einen Wunsch zu formulieren. Was ich dann auch tat. Um im Anschluss daran den Wunsch so laut wie möglich in die Welt hinauszublasen, damit die Fee auch Wind davon bekommen sollte.

Jetzt wurde der Brief an die Fee vor einigen Tagen wieder angeklickt, so verrieten mir die Zugriffsstatistiken des Blogs – und ungefähr zur gleichen Zeit erreichte mich eine Nachricht von einem Blogger, den ich sehr schätze. Er meinte: Keiner liest dein Scheißblog… Damit bezog er sich zwar nicht explizit auf mich, brachte aber eine Saite zum Klingen, die auch in meiner Seele straff gespannt zu sein scheint. Denn wenn man sich schon die Mühe macht, ein Blog zu schreiben, dann wünscht man sich natürlich, dass die Menschen es auch lesen.

Und wenn man feststellt, dass Menschen lesen, was man schreibt? Dann muss man natürlich auch weiter schreiben, selbst wenn die Leser sich im Hintergrund halten. Im Idealfall entsteht so ein Dialog mit anderen Schreibenden, deren Gedanken bedenkenswert erscheinen, im schlimmsten Fall ist dieser Dialog nur imaginiert – aber auch das ist dann keine echte Katastrophe: Die Vorstellung, dass ich gelesen worden sein könnte, ist im Zweifel fast noch schmeichelhafter als die Gewissheit, verstanden worden zu sein… zumal dann, wenn ich selbst noch nicht ganz sicher bin, was denn nun eigentlich meine Botschaft ist?

Das Gute liegt oft ganz, ganz nah

Vielleicht erzähle ich dir ja einfach von unserer ersten Begegnung: Sie fand in meinem Traum statt, vor ein paar Nächten – und ich war erfreut festzustellen, dass du mich zumindest in meinem Traum gelesen hattest. Diese Begegnung hat mich dann dazu veranlasst, dir diesen Brief zu schreiben. Und dir von einem Artikel zu berichten, den ich auf ZEIT online gefunden habe: Er berichtet von einen Gründer, der in Deutschland ein virtuelles Nachbarschaftsnetzwerk ins Leben gerufen hat, in dem ich zufällig auch Mitglied bin. Und natürlich von diesem Netzwerk, dass Nachbarn zusammenbringen will.

Nun hat mir dieses Netzwerk eine Einladung zukommen lassen, gemeinsam mit anderen Mitgliedern ein großes Fest zu organisieren – oder genauer gesagt, eins von vielen Festen, die am Tag der Nachbarn überall in der Republik stattfinden sollen. Die Idee finde ich grundsätzlich extrem charmant. Und ich frage mich, ob wir so ein Fest auch in unserer Nachbarschaft zuwege bringen können? Immerhin wäre es mal eine Gelegenheit, sich auch im echten Leben live zu begegnen. Was ja nie ganz verkehrt ist, nach allem, was man so hört.

Und sonst so?

Vielleicht könnten wir uns bei der Gelegenheit ja auch über die Alleen und Blumen unterhalten, die in den letzten Monaten durch den Blätterwald gegeistert sind? Seit Margarete Stokowski mich (und zahlreiche andere Leser) im September von dieser Sache unterrichtet hatte, fand ich es immer wieder interessant, den Stand der Debatte über dieses Gedicht an der Fassade einer Hochschule zu erfahren, konnte mich aber bis jetzt noch gar nicht so richtig dazu äußern. Vermutlich hätte meine Meinung ja auch nichts Wesentliches zum Diskurs beigetragen – als Außenstehender bin ich vielleicht auch gar nicht so sehr dazu aufgefordert, mir hier eine qualifizierte Meinung zu bilden.

Vielleicht reden wir aber auch übers Knipsen. Oder über Bildbearbeitung. Irgendwie ist das ja immer noch ein Thema dieses Blogs. Das Foto, mit dem ich diesen Artikel garniere, zählt zu meinem fotografischen Frühwerk – und ich hatte heute einfach Lust, ein Bild zu bearbeiten, da bot sich dieses hier gerade an. Auch, wenn die hier gezeigte Herbststimmung vielleicht nicht wirklich zur aktuellen Jahreszeit passen will: Mit der Abschattung des Hintergrunds und einer Textur drauf dachte ich, das Bild ist’s wert, gezeigt zu werden. Wie man so was basteln kann, könnte ich dir natürlich auch ganz leicht zeigen, aber vielleicht findest du’s lieber selbst heraus – ein Hexenwerk ist’s wirklich nicht, und Anleitungen, wie man’s macht, gibt’s nicht nur im Netz massenweise…

Gut 750 Wörter

Lieber fremder Freund, so habe ich meinen Brief an dich angefangen. „Lieber anonymer Leser“, das klang mir einfach zu unpersönlich. Und ich muss es dir sicher nicht haarklein erklären, aber auch als Leserin, auch als Freundin bist du in diesem Brief mitgemeint. Etwas über 750 Wörter ist er lang, und jedes einzelne Wort habe ich mir hart abgerungen. Einfach, weil ich dir an diesem Sonntag wieder mal ein Lebenszeichen von mir geben wollte.

Ob du es wohl wahrnehmen wirst? Ob du wohl auf mein Lebenszeichen reagieren wirst? Ich bin gespannt… und warte, was als nächstes wohl passiert.

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