Was Gott so glaubt

Was ist denn hier los? Letzte Woche erst hatte ich ein Foto von einem Plakat gezeigt, um auf die Demokratie-ist-alles-Aktion von Artikel eins e.V. hinzuweisen, und jetzt zeige ich schon wieder ein Bild von einem Poster? Schon irgendwie ungewöhnlich…

Aber was soll ich sagen? Ist nun mal so. In den letzten Wochen und Monaten gab’s nicht so viel zu knipsen, oder die Lust aufs Knipsen war nicht so groß, aber bei diesem Poster dachte ich mir: Davon brauche ich ein Foto. Und weil ich die Kamera nicht dabei hatte, als ich das dachte, bin ich extra noch mal hingegangen, später, mit der Kamera, wie ich’s schon öfter gemacht habe in den letzten Wochen und Monaten, wenn’s etwas gab, was ich unbedingt knipsen wollte.

Warum war denn das Poster so knipsenswert? „Sie werden gebraucht“, stand da. Und aufgrund eines seltenen genetischen Defekts bin ich so veranlagt, dass ich solche Sprüche enorm persönlich nehme. Also quasi gleich verstehe, dass ich persönlich derjenige bin, der gebraucht wird. Und als ob das noch nicht genug wäre, stand darunter die Web-Adresse www.gott-glaubt-an-mich.de.

Wer jetzt dem Link folgt, landet auf einer Seite der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau, die auch für das Poster verantwortlich ist. Wer dem Link folgt, dem wird mitgeteilt, dass er heilig sei. Ich folge dem Link, lese mich ein wenig durch die Seite, klicke hier, klicke da und denke still: Ja, tatsächlich, wenn man es so sieht, dann bin ich wohl tatsächlich heilig.

Wer aber ist dieser Gott, der an mich glaubt? Manche sagen, Er ist der, der die Welt erschaffen hat. Andere sagen, Er ist der, den die Menschen sich geschaffen haben, um eine Erklärung für das zu haben, was sie sich ohne Seine Existenz nicht erklären können. Wieder andere sagen, Er ist größer als alles, was wir uns erklären können, deshalb sollten wir uns kein Bild von Ihm machen. Und wahrscheinlich ist Er ja tatsächlich größer als die Summe der Teile, aus denen Er besteht, in denen Er sich offenbart. So groß, dass manche nicht mehr gewillt oder in der Lage sind, Ihn zu erkennen.

Und vielleicht ist Gott ja auch ein so komplexes Thema, dass man sich Ihm nicht so leicht über Fotos von Postern nähern kann und nicht über halbgare Blogbeiträge, die mehr oder weniger spontan als Momentaufnahme wiedergeben sollen, wie und was der Autor gerade denkt?

Vielleicht sollte ich Gott für den Augenblick ja einfach Gott sein lassen… und mich still darüber freuen, dass Er an mich glaubt. Und diese Freude still mit anderen teilen, hier in der Weite des Internets, wo es so viel zu sehen gibt, dass ein einzelnes Bild auf einem einzelnen Blog gar nicht weiter auffällt. Denen, die’s trotzdem angeklickt haben, denen, die den Text bis hier gelesen haben, sei ein stiller Dank gesagt.

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