Hamburg, Elbstrand, 2013

In ziemlich regelmäßigen Abständen erinnert mich das soziale Netzwerk, in dem ich Mitglied bin, dass ich diese oder jene Erinnerung teilen soll, die ein, zwei, drei, egal wie viele Jahre zurückliegt. Meistens tu ich’s nicht, und wenn ich’s doch mache, dann schreibe ich meist etwas ausführlicher auf diesem Blog über die Erinnerung, wie zum Beispiel erst vor Kurzem, als es um Stoffi ging oder um den Kamera-Kult von Kyoto. Und als neulich die Bilder von einem Shooting am Elbstrand in der Wiedervorlage landeten, da dachte ich mir: Vielleicht ist’s ja mal wieder Zeit, die Kiste mit den digitalen Negativen rauszukramen und ein paar Fotos neu zu bearbeiten. Und vielleicht wäre es auch angemessen, ein paar Worte zu dem Shooting mit Josephine zu verlieren, für das ich vor ziemlich exakt vier Jahren mal bis nach Hamburg gefahren bin.

Tatsache ist, dass ich 2013 ziemlich am Anfang meiner großen People-Fotografen-Phase stand, und das bedeutet: Ich hatte ein Problem. Die meisten Hobby-Models freuen sich zwar, wenn sie einen Fotografen finden, der mit ihnen Fotos machen will. Dabei achten die meisten aber schon darauf, dass der Fotograf auch Referenzen aufzuweisen hat. Und die fehlten mir halt damals noch. Und – jetzt darf ich’s wohl ruhig zugeben – die paar Referenzbilder, die ich hatte, waren vielleicht auch nicht ganz so toll wie manche Bilder, die man von anderen Fotografen zu sehen bekommt. Insofern war es vielleicht selbstverständlich, dass ich nicht nur einige Absagen bekam, sondern von ein paar Models, die ich anschrieb, schlicht und einfach vollkommen ignoriert wurde.

Dass Josephine an einem Shooting mit mir interessiert war, lag vielleicht auch an der Entfernung… Es ist sicher schmeichelhaft, wenn ein Fotograf aus Frankfurt sagt: Um Fotos mit dir zu machen, fahre ich sogar bis nach Hamburg. Vielleicht lag es aber auch daran, dass wir uns auf der fotocommunity schon seit einer Weile kannten und gegenseitig Nachrichten geschrieben hatten. Jedenfalls fasste ich den Entschluss, das Fronleichnamswochenende 2013 in Hamburg zu verbringen. Und quasi als „krönenden Abschluss“ dieses Wochenendes am Sonntag ein Shooting mit einer Frau zu planen, die ich bisher nur aus dem Internet kannte.

Obwohl wir uns nur virtuell kannten, haben wir das Shooting wirklich durchgezogen.

Jetzt, Jahre später, kann ich’s ja ruhig zugeben: Von Donnerstag bis Samstag war ich relativ nervös. Würde irgendwas dazwischenkommen und das Shooting nicht stattfinden, wäre die ganze Reise quasi ihres Hauptzwecks beraubt… Wir hatten zwar schon vorab telefoniert, einen Ort fürs Shooting und die Modalitäten verabredet, aber ich war (wie oben erwähnt) noch relativ unerfahren in der People-Fotografie und hatte keine Ahnung, welche Probleme sich eventuell ergeben könnten.

Vielleicht, ganz vielleicht, beruhte die Nervosität ja auch auf Gegenseitigkeit. Wenn ein Fotograf knapp 500 Kilometer fährt, um ein paar Fotos von dir zu machen, dann fragst du dich vielleicht: Was ist das eigentlich für ein Vogel? Aber letztlich ging alles gut, Modell mit Begleitperson und Fotograf waren pünktlich am vereinbarten Treffpunkt, und in der guten Stunde, die wir uns für das Shooting Zeit ließen, konnten wir tatsächlich ein paar ganz ordentliche Fotos aufnehmen.

Eins der ordentlichen Fotos, die wir aufgenommen haben

Natürlich habe ich bei diesem Shooting auch einiges gelernt. Zum Beispiel, dass man die Kurzzeit-Synchronisation einschalten sollte, wenn man bei Tageslicht mit dem Blitz arbeiten will. Und dass man den Vertrag nicht vergessen sollte, wenn man mit dem Modell abgesprochen hat, dass so ein Dokument zum Shooting mitgebracht wird. Außerdem habe ich gelernt, dass man als Fotograf besser beraten ist, wenn man zum Shooting ein halbwegs klares Konzept mitbringt, oder zumindest ein paar Ideen.

Besonders zu erwähnen: Sowohl der Vorschlag, das Shooting am Elbstrand zu veranstalten, als auch der Tipp, während des Aufenthalts in Hamburg im Hotel Kogge zu übernachten, kam von einem guten Kumpel, der sich in Hamburg wesentlich besser auskannte als ich. Für diese Hinweise sei hier noch einmal gesondert gedankt: Sowohl die Location als auch das Hotel waren ziemlich spannend, und so war das Wochenende rückblickend trotz einiger Holprigkeiten beim Shooting selbst insgesamt ein Erfolg. Bisher hat sich zwar leider keine Gelegenheit ergeben, noch einmal in Hamburg vorbeizuschauen, aber als ich diese Woche die alten digitalen Negative noch mal anschaute, dachte ich so bei mir: Geil war’s schon… Das müsste man eigentlich schon mal wieder durchziehen.

Problem: Dieses Jahr ist Fronleichnam schon vorbei. Egal, vielleicht ergibt sich ja wirklich noch mal die Gelegenheit. Bis dahin zeige ich hier erst mal ein paar Bilder, die ich damals aufgenommen und erst dieses Wochenende neu bearbeitet habe. Weil mich das soziale Netzwerk dazu aufgefordert hat, die alten Erinnerungen noch mal aufzuwärmen, und weil’s mir irgendwie jetzt mehr wert war als nur den einen Klick auf „Teilen“. In diesem Sinne: viel Vergnügen mit den alten, neu bearbeiteten Bildern.

4 Gedanken zu „Hamburg, Elbstrand, 2013“

  1. Hallo mein Lieber
    Schön zu lesen wie Ehrlich Du Dich mit Deinen Lebenserfahrungen nach Außen begibst. Sie dann auch noch so herrlich auspacken kannst.
    Das Phänomen kenn ich übrigens sehr gut: dass man sich zu einem Photoshooting sehr genau vorbereiten sollte.
    Die Schüchternheit geht mit der unvollständigen Souveränität einher.
    Das wiederum überträgt sich auf das Modell und diese Unsicherheit erkennen wir dann im Motiv.
    Dieses Wissen kann dann durchaus zum Vorteil werden, vorausgesetzt man bleibt am Ball. Da seh ich bei Dir aber kein nachlassen, Du bist Beharrlich.
    Zumal Du das Auge hast und die Technik verstehst. Mach unbedingt weiter.

    1. Unbedingt weitermachen… Genau das ist mein Plan. Und zumindest das Archiv ist ja noch gut gefüllt mit Bildern, die gezeigt, Geschichten, die erzählt werden wollen.
      Vielen Dank, dass du dir nicht nur Zeit nimmst, meine Texte zu lesen, sondern auch noch Feedback zu geben: Zu lesen, wie meine Texte aufgenommen werden, ist ja immer wieder Motivation, den jeweils nächsten Text zu verfassen, und Hinweis auf Punkte, die beim Schreiben berücksichtigt werden wollen.
      Tatsache ist: Seit damals sind die Symptome der Schüchternheit schon arg zurückgegangen, und wenn bei Shootings die Souveränität auch zugenommen hat, fehlt im Moment meist die Motivation, aktiv auf Modelle zuzugehen. Aber zum Glück gibt’s ja noch genug andere Motive, die wert sind, geknipst zu werden. Insofern sind in den nächsten Wochen sicher noch ein paar neue Texte von mir zu erwarten.

    1. Vielen Dank, lieber Rainer.
      Ich hab mir auch Mühe gegeben, alles möglichst anschaulich zu berichten – und hab natürlich nur die Bilder aus dem Shooting ausgewählt, die man auch tatsächlich ohne Skrupel zeigen kann. 😉

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